Emily’s Story 9/10 (S)

Tagebucheintrag vom 01. November 2016:

Hallo liebes Tagebuch. Heute fühle ich mich endlich mal in der Verfassung, meine aktuellen Erlebnisse aufzuschreiben. Es herrscht einfach so ein Chaos in meinem Kopf. Ich fühle mich so schlapp und ausgelaugt. Meine Erinnerungen, ganz normale kleine Ereignisse aus der vergangenen Woche, habe ich einfach vergessen. In der Nacht fällt mir das ein oder andere Stichwort ein und plötzlich ist alles weg. Meine Wahnvorstellungen, sowie die nächtlichen Kämpfe mit mir selbst, wurden so schlimm, dass ich seit einigen Tagen wieder meine geliebten Tabletten nehmen darf.

Ich versuche meine Wohnung dunkel zu halten – trage meine dunkle unauffällige Kleidung und versuche den Kontakt mit Menschen möglichst zu vermeiden. Vor einiger Zeit, träumte ich von einer Frau, die ich mal hin und wieder im Zug gesehen habe. Sie hatte lange schwarze Haare, eine blaue Steppjacke sowie eine dunkelgraue Röhrenjeans mit einem Loch am linken Knie. Sie war nicht auffällig, doch flüsterte mir beim Aussteigen immer etwas zu. Ich habe es die erste Zeit nicht realisiert, da ich bei solchen Fahrten in meine Musik vertieft bin – dennoch habe ich es einmal mitbekommen; „Wir verstehen uns, bis zum Anfang“ sagte Sie. Es ist einfach so gruselig. Danach habe ich Sie nie mehr gesehen, bis auf heute.

Mein Gefühle sind derzeit so stark. Es ist kaum zu beschreiben. Ich weiß nicht ob es an den Tabletten liegt, oder dass irgendjemand die Überhand über mich genommen hat. Wie heute Nacht gibt es Phasen, in denen ich meine Vorstellungen und Gedanken so klar ausdrücken kann. In anderen Nächten habe ich das Gefühl, meine Augen nicht aufmachen zu können und von einer Dauerschleife nicht mehr raus zu kommen. Die Angst, nachts zu schlafen steigt immer mehr. Daher halte ich am Tag alles sehr dunkel bei mir, um am Tag vielleicht die ein oder andere Stunde zu verstreichen. Was ist denn nur aus mir/uns geworden? Wir sind glaube ich an einen strickten Plan gebunden. Jede Nacht, kommt ein Häkchen dazu. Wir bilden uns vielleicht auch Dinge ein, um uns selbst ein Geländer zu bauen. Diese Treppen, die niemals aufhören sehe ich so oft in meinen Träumen. Es ist als ob einfach alles so vergeht. Es ist alles so verständlich, die Menschen sind so voreingenommen und gesichtslos. Meine Maske, ein Spiegel. Jeder der mich ansieht, sieht nichts. Es ist so unberuhigend und unangenehm wie ein leichter Wind durch den Wald zu fegen. Man bewegt die Blätter, doch die Wurzeln bleiben da wo Sie sind. Nichts hält sie davon ab, den Boden zu verlassen. Auch die Anfälligen unter Ihnen versuchen stets Ihren halt zu bewahren und den Standpunkt zu vertreten. Jahrelang.

Gesichtslos, unschaubar oder normal? Warum behandeln wir uns dann so abneigend? Halten zusammen, wie der übrig gebliebene im Wolfsrudel. Ich/Wir gehören genau so dazu. Doch ich lasse es nicht zu. Ich möchte das nicht und träume von diesen Dingen – aus Angst, Hass oder ist es mein Wunsch?

Spätestens morgen habe ich alles wieder dazu vergessen, laufe meinem Alltag nach und bin wie ausgewechselt. Ein Teufelskreis. Es wird sich in Zukunft nicht ändern hat sie mir gesagt. Die Zeiten gehen langsam zusammen, doch sie vertragen sich nicht in meinem Kopf. Warum kann ich nicht normal sein und kopflos durch die Welt gehen. Warum hinterfrage ich Dinge und stelle mich – sitzend in meiner dunklen Wohnung. Mit Zigarettenpackungen und Decken bedeckt. Lass dir nicht zu viel Zeit – sie verschwendet sich.

XOXO

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