Emily’s Story 1/10 (S)

Tagebucheintrag vom 16. August 2010:

Der Tag begann wie jeder andere auch. Ich bin wie immer um 5 Uhr aufgestanden; habe mich direkt fertig gemacht und ging (ein bisschen erwartungsvoll) in die Küche. Niemand war mehr da. Auch wenn ich Geburtstage nicht mag – von meiner Mutter hätte ich wenigsten ein Brief oder sowas erwartet – wenn mir schon jeder Idiot auf Facebook schreibt.

Heute war mein 1. Schultag in der neuen Schule. Mein Klassenlehrerin Frau Busse scheint ein wenig in den jungen Jahren hängen geblieben zu sein. Ein pinkes Auto, flippige Frisur und versucht auf peinliche Weise cool zu sein. Trotzdem ist sie sehr nett. Meine Mitschüler schauten mich natürlich erst mal ganz komisch an. Ich war mal wieder „Die Neue“ mit dem anderen Kleidungsstil. Aber es stört mich nicht mehr, nach 3-4 Schulwechsel in einem Jahr, wird es einem einfach egal.

Im Bus zurück nach Hause, traf ich auf Lena und Melanie. Die beiden sind in meiner Klasse und sitzen hinter mir. Sie haben in der Schule nicht wirklich Interesse gezeigt, aber es scheint so, als ob sie sich gerade über mich unterhalten. Leider konnte ich nicht alles hören. Irgendwas wegen meinem Aussehen, dass ich nur schwarz trage und wohl nicht in die Klasse passe. Dennoch habe ich mich beim Aussteigen (so nett wie ich bin) verabschiedet. Diese herablassenden Blicke waren wohl ihre Art sich zu verabschieden – kennt man ja.

Diese Schule ist ganz komisch. Alles scheint so geheimnisvoll zu sein, niemand redet wirklich viel oder lacht, es herrscht eine miese Grundstimmung, aber ich weiß leider nicht warum. Morgen werde ich mich mal ein bisschen umsehen und mich mit paar Leuten aus der Klasse unterhalten, man möchte ja nicht die „komische Neue“ sein. Vielleicht war ich wirklich einfach zu verstellt. Aber mir blieb ja nichts anderes übrig. Vor einigen Monaten, als ich noch in Frankfurt zur Schule ging, kamen die Leute eher auf einen zu. Hier scheint jeder in seiner Gruppe zu leben. Veränderungen mag niemand.

Der Zug auf dem Weg zu meiner Oma kam wieder viel zu spät. Den Grund mag ich diesmal gar nicht wissen. Jedenfalls saß mein Nachbar auch im Zug und gratulierte mich zum Geburtstag. Ich frag mich nur, woher er das weiß? Mein Facebook ist für Außenstehende eigentlich nicht einsehbar und meine Mutter hat sowieso mit keinem was am Hut. Wie auch immer – meine Oma hat mir einen großen Kuchen gebacken! Sie stand dafür den ganzen Vormittag in der Küche. So lieb! Aber leider darf ich ja nicht. Trotzdem musste ich ihr ja meine Dankbarkeit zeigen.

Am Abend passierte nichts besonderes. Ich machte das „X“ in meinen Kalender und schreibe nun in mein Tagebuch.

Wöchentliches Fazit:
50 Tage clean, morgen werde ich es endlich meiner Mutter erzählen. Ich muss es irgendwie schaffen. Das Wochenende war leider wieder sehr bescheiden. Die Fassade beginnt zu bröckeln.

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